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Um 1910 kommt es zu einem Umbruch in dem gesamten gesellschaftlichen Leben. Die junge Generation lehnt sich gegen alte Wert- und Lebensvorstellungen auf und thematisiert verschiedene Problematiken, wie: neue Technik, unpersönliche GroĂstĂ€dte, soziales Elend in vielen Schichten und menschliche Ohnmacht vor der Maschinenwelt. Diese Generation entwickelt in dem Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg eine Weltskepsis. Als Gegenthese zu dem Impressionismus entwickelt sich der Expressionismus. In dem Gegensatz zu dem Impressionismus, der naturalistisch die Ă€uĂere Erscheinung der Dinge abbildet, beschĂ€ftigt sich die expressionistische Kunstrichtung mit der Innerlichkeit des Menschen.
In der Malerei Ă€uĂert sich der Expressionismus in der Wahl und Wirkung der Farben, in der Verzerrung der Bilder und in der Hinwegsetzung ĂŒber Regeln der Perspektive und der Proportionen . In der Literatur werden neue Metaphern geschaffen (z.B.: Wald grinst Verrat; schwarze Milch der FrĂŒhe). FĂŒr die Musik ist die Emanzipation der Dissonanz das wesentliche, stilistische Kriterium: Man erfindet neue Tonsysteme bis hin zur AtonalitĂ€t, bei der alle 12 Töne der Oktave gleichberechtigt sind und somit die tonale Bezugs- und Akkordebene aufgehoben ist. Auch viele andere Gesetze verlieren an Geltung und es entstehen neue Klangfarben. Zu diesen gehören: extreme Tonlagen, dynamische GegensĂ€tze, unruhige Melodielinien, freie Rhythmik und ungewohnte Instrumentationen.
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Phasen des Expressionismus | |
Der Expressionismus wird in drei Phasen gegliedert:
WĂ€hrend viele Komponisten des FrĂŒhexpressionismus spĂ€ter den expressionistischen Stil verlieĂen, blieben Schönberg und seine SchĂŒler dieser Kompositionsweise treu.
Die Gruppe um Schönberg, wird als Neue/Zweite Wiener Schule; genannt:
Sie verwirklichte am radikalsten die Emanzipation der Dissonanz, welche zu dem wichtigsten Ausdrucksmittel des Expressionismus wurde.==Wesensbestimmung des Expressionismus==
Der Expressionismus ist der Beginn der Moderne. Noch heute entspringen alle Kunstrichtungen, die mit dem Schlagwort âmodernâ charakterisiert werden, dem Expressionismus. Er ist eine extrem subjektive Kunstrichtung, welche die innere GefĂŒhlswelt des Menschen zu dem Ausdruck bringt. Die expressionistische Kunst ist erfĂŒllt vom âErleben des Leidensâ. Die eigene GefĂŒhlswelt, geprĂ€gt von Schmerz, Leid, Angst und Wut, wird dargestellt durch hochgesteigerte, alles beherrschende Affekte und innere Erregung. Diese Emotionen werden durch aggressiv gesteigerte Dynamik ausgedrĂŒckt. Bevorzugte Themen des Expressionismus sind: Dramatik des Krieges, menschliche Einsamkeit; religiöse Fragen, Revolution gegen das Bestehende, die Leiden des Menschen an und in der Gesellschaft.==Deutung des Expressionismus==
- Der Expressionismus entspringt der subjektiven Einstellung der Romantik und intensiviert diese SubjektivitÀt in ihrer Ausdrucksweise. Der Expressionismus ist somit eine extrem subjektivistische Kunstrichtung.
- Der Expressionismus kann auch als Gegenströmung und Reaktion zu dem Impressionismus aufgefasst werden. WĂ€hrend der Impressionismus auf die Darstellung der Natur fokussiert ist, schafft der expressionistische KĂŒnstler ganz von Innen heraus.
- Der Expressionismus ist eine Revolution gegen die bestehende bĂŒrgerliche Ordnung. Die expressionistische Kunstrichtung wollte aus der bestehenden Ordnung ausbrechen und sich von ihr losreiĂen.
- Der Expressionismus ist ein Ausdruck der Ich-Krise des modernen Menschen, die sich in der damaligen Zeit einsam, vereinzelt und bedroht fĂŒhlten. Der Expressionismus ist damit auch eine Gegenreaktion auf die industrialisierte und kapitalisierte Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts.==Stilbestimmung des musikalischen Expressionismus==
Die musikalische Stilbestimmung hat die Aufgabe, die Hauptmomente des expressionistischen Stils darzustellen. Folgende Hauptmomente (Stilkriterien) lassen sich nachweisen:*Irritation (Erregung):
Irritation bedeutet: den schnellen Wechsel melodischer Richtungen, das Nebeneinander von dissonanten Harmonien, Unruhe der Motive, Abwechslung von Homophonie und linearen Teilen (Polyphonie), Bevorzugung von scharfen Intervallen, groĂer Tonumfang (Ambitus) und Befreiung des Rhythmusâ (Polyrhythmik).
Expression meint die AuffÀcherung des Tonraumes durch Erweiterung der Akkordbildung (Expansiondes Tonraumes).
Jede Stimme ist gleichberechtigt, unterschiedliches musikalisches Material wird gleichzeitig entwickelt und ĂŒbereinander gelagert.
Durch die Gleichberechtigung der Stimmen wird der Gesamtklang gegenĂŒber der LinearitĂ€t fokussiert.
- Reduktion (reduzieren â wegnehmen, vermindern):
Reduktion bedeutet die BeschrÀnkung auf das Wesentliche. Jeder Ton ist wichtig, dadurch wird eine wirkungsvolle Dichte in der Musik erreicht. Ein hÀufig auftretendes Mittel der Reduktion ist die Komprimierung des Orchesterapparates.
Neue Orchesterfarben und Instrumentationen werden gesucht. Wenn die gröĂt mögliche Reduktion (Dichte) erreicht ist, erfolgt eine Aufspaltung des Klanges, die durch Polyrhythmik und Verteilung eines Motivs auf mehrere sich abwechselnde Instrumente zu dem Ausdruck kommt.
Die Abstraktion bedeutet eine Rationalisierung der harmonischen Entwicklung, die wie folgt dargestellt werden kann:
1. Die Musik hat keinen Bezug zur Tonika, d.h. das StĂŒck unterliegt keiner Tonart mehr (Impressionismus und frĂŒher Expressionismus)
2. Die Akkorde haben keine harmonische Verwandtschaft
3. Die Akkordverbindungen werden durch Alteration aufgelöst (SpÀtromantik: Tristan-Akkord)
4. Die Leittöne werden in der atonalen Musik nicht mehr aufgelöst, sie erstarren
5. In der Zwölftonmusik wird eine neue GesetzmĂ€Ăigkeit geschaffen, die zur Grundlage der atonalen Kompositionsweise wird===Traditionelle Formen in dem musikalischen Expressionismus===
Durch die AtonalitĂ€t geht der harmonische Zusammenhang der Kompositionen verloren, darum versuchen die expressionistischen Komponisten, ihren Kompositionen auf formaler Ebene Ausgewogenheit zu verleihen. Aus diesem Grund benutzen die Expressionisten traditionelle Formen, wie: Kanon, Invention , Fuge, Suite, Menuett, Marsch, Serenade, Walzer, klassischer Sonatenhauptsatz, o.a. durch die traditionellen Formen schlagen sie die BrĂŒcke zwischen dem Rationalen und dem Emotionalen.
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